Die Ähnlichkeit dieses Kunstwortes mit “Finanzintermediäre” ist nicht rein zufällig.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß in der (immer wieder gerne und kompetenzheischend zitierten) “Modernen Portfoliotheorie nach Prof. Markowitz” *), zwar neben Rendite und Risiko auch die Liquidität als dritte Dimension der Bestimmungsfaktoren für ein optimales Portfolio genannt wird – jedoch die Darstellung effizienter Portfolios ausschließlich auf der Beziehung Rendite zu Risiko beruht?
Nun kann man sich ja auf den Standpunkt stellen, daß z.B. die Marktgängigkeit oder die Existenz eines Marktes bereits in der (subjektiven) Risikoeinschätzung eines Anlegers enthalten sein dürften – z.B. wenn er nach seiner Fähigkeit gefragt wird, ob er starke Kursverluste verkraften könne – oder wie hoch der Anteil seines Portfolios an “liquiden Werten” (sic!) sein solle.
Allerdings entziehen sich die Liquiditätsrisiken einer statistischen Aufarbeitung und stehen somit – auch in der eingeschränkter Form eines Volatilitätsmaßes aus Vergangenheitsdaten – nicht für eine stochastische Zukunftsbetrachtung zur Verfügung.
Und auch der (babylonische?) Talmud mit seiner jahrtausendealten Weisheit zur “naiven Diversifikation” hilft uns da nicht weiter:
“Ein Drittel des Vermögen sollte in Land, ein Drittel in Geschäften und ein Drittel sollte liquide gehalten werden.”
Wenn jedoch die Finanzindustrie ständig “Liquidität” abschöpft und dafür mit Anlageformen wirbt, deren Anwendung eigentlich nur bei “freien Vermögenswerten” (also nicht zweckbestimmten z.B. zur Altersversorgung gedachten Anlagen) erlaubt sind, dann muß sie sich auch entsprechende Vorwürfe gefallen lassen:
“The simultaneous selling of securities to customers and shorting them because they believed they were going to default is the most cynical use of credit information that I have ever seen. When you buy protection against an event that you have a hand in causing, you are buying fire insurance on someone else’s house and then committing arson.”
-Sylvain R. Raynes, structured finance expert at R & R Consulting
http://www.ritholtz.com/blog/2009/12/should-investment-firms-bet-against-their-clients/
Eigentlich wollen die Anleger ja erst einmal zu einem Vermögen kommen …
–pag
*) Daß die zitierte Theorie streng genommen nur für den Einperioden-Fall Gültigkeit besitzt, wird im Finanzvertrieb auch nur sehr selten erwähnt – um es vorsichtig auszudrücken …